Krankenversicherung12. Mai 20269 Min. Lesezeit

So wechseln Sie Ihre Schweizer Krankenkasse und sparen bei den Prämien 2027

So wechseln Sie 2027 Ihre Krankenkasse: Fristen, Prämienvergleich, die richtige Franchise (CHF 300 oder CHF 2'500) und welche Zusatzversicherungen (VVG) sich wirklich lohnen.

F
Finch Team
Persönliche Finanzen Schweiz
Kurzantwort

Nein. Die Grundversicherung nach KVG ist obligatorisch — jede Krankenkasse muss jede in der Schweiz wohnhafte Person aufnehmen, unabhängig von Alter, Gesundheitszustand oder Schadenverlauf.

Jeden Herbst landet ein Brief im Briefkasten, der das Budget vieler Schweizer Haushalte belastet: die neue Prämienankündigung der Krankenkasse. Auch für 2027 wird in den meisten Kantonen mit einer Erhöhung gerechnet. Die gute Nachricht: Nach KVG dürfen Sie Ihre Grundversicherung jedes Jahr wechseln — ein cleverer Wechsel spart einer Familie schnell CHF 1'500–3'000 pro Jahr, ohne dass die Leistungen schlechter werden.

Dieser Leitfaden zeigt Ihnen, wie Sie für den 1. Januar 2027 wechseln, wie Sie zwischen einer Franchise von CHF 300 und CHF 2'500 entscheiden und welche Zusatzversicherungen (VVG) wirklich ihr Geld wert sind.

Wichtige Fristen für den Wechsel auf 2027

  • Ende September 2026: Das BAG veröffentlicht die Prämien 2027. Ihre Krankenkasse schickt Ihnen die neuen Tarife ebenfalls zu.
  • 30. November 2026 (Poststempel): Letzter Termin, um die Grundversicherung per 1. Januar 2027 zu kündigen.
  • 1. Januar 2027: Die neue Grundversicherung startet.

Für VVG-Zusatzversicherungen gilt meist eine Kündigungsfrist von drei Monaten auf Jahresende (30. September) — und der Versicherer kann Sie ablehnen. Sichern Sie sich die Aufnahme im VVG-Bereich immer, bevor Sie kündigen.

Schritt für Schritt: so wechseln Sie auf 2027

  1. Prämien 2027 vergleichen über das offizielle BAG-Tool (priminfo.admin.ch) oder unabhängige Vergleichsdienste wie Comparis oder Bonus.ch. Filter: Kanton, Altersgruppe, Franchise, Versicherungsmodell.
  2. Modell und Franchise wählen (mehr dazu unten).
  3. Antrag bei der neuen Krankenkasse stellen. Die Grundversicherung muss Sie aufnehmen — eine Ablehnung aus gesundheitlichen Gründen ist unzulässig.
  4. Kündigungsschreiben per Einschreiben verschicken, sodass es bis 30. November 2026 ankommt. Datum: per 31. Dezember 2026.
  5. Posteinlieferungsbeleg aufbewahren. Ohne ihn kann die Kasse die Frist anzweifeln.

Franchise verstehen: CHF 300 oder CHF 2'500?

Die Franchise ist der jährliche Betrag, den Sie selbst bezahlen, bevor die Grundversicherung greift. Erwachsene können zwischen CHF 300, 500, 1'000, 1'500, 2'000 oder 2'500 wählen. Hinzu kommt der Selbstbehalt von 10 % bis maximal CHF 700/Jahr.

Die einzige Formel, die Sie brauchen

  • Best Case (kaum Kosten): Jährliche Ersparnis = monatlicher Prämienrabatt × 12.
  • Worst Case (Franchise voll ausgeschöpft): Mehrkosten = (Ihre Franchise − 300).

Die Franchise CHF 2'500 lohnt sich nur, wenn der jährliche Prämienrabatt das Risiko von CHF 2'200 mehr Selbstkosten übersteigt. In den meisten Kantonen liegt der Rabatt von CHF 300 auf CHF 2'500 bei rund CHF 1'300–1'700 pro Jahr. Die Break-even-Grenze liegt also bei jährlichen Gesundheitskosten von ca. CHF 500–800.

Faustregel

  • CHF 2'500: gesund, kaum Arztbesuche, keine Dauermedikation und ein Worst-Case-Szenario von CHF 3'200 finanziell verkraftbar.
  • CHF 300: chronische Erkrankungen, regelmässige Therapien, Schwangerschaft (geplant) oder schlicht Wunsch nach planbaren Kosten.
  • CHF 1'500 oder 2'000: häufig der vernünftigste Mittelweg.
  • Kinder: Standardmässig CHF 0 — der Rabatt ist klein, die Kosten unberechenbar.

Versicherungsmodell wählen — die einfachste 15-%-Ersparnis

Der Wechsel vom Standardmodell zu einem alternativen Modell reduziert die Prämie meist um 8–20 %, ohne nennenswerte Nachteile, wenn Sie ohnehin einen Hausarzt haben.

  • Hausarztmodell: Erste Anlaufstelle ist immer der zugewiesene Hausarzt. Sehr flexibel.
  • HMO: Bestimmte Gemeinschaftspraxis. Günstigstes Modell, weniger Flexibilität.
  • Telmed: Vorab Anruf bei einer medizinischen Hotline (Medgate, Sanacare). Hohe Rabatte.
  • Apothekenmodell: Erste Anlaufstelle ist eine Partnerapotheke. Verfügbar bei Helsana, CSS, Sanitas u. a.

Die Kombination aus alternativem Modell und höherer Franchise bringt meist die grösste Ersparnis.

Zusatzversicherung (VVG): welche Bausteine lohnen sich wirklich?

Zusatzversicherungen unterstehen dem VVG, nicht dem KVG. Sie sind freiwillig, der Versicherer kann ablehnen, und Verträge laufen meist ein Jahr mit drei Monaten Kündigungsfrist. Viele in der Schweiz sind hier überversichert — überprüfen Sie Ihre Police alle 2–3 Jahre.

Für die meisten sinnvoll

  • Ambulante Zusatz: Beiträge an Brille, Fitness, Prävention, Impfungen, Komplementärmedizin (Osteopathie, TCM, Homöopathie), Vorsorge im Ausland. Lohnt sich, wenn Sie diese Leistungen tatsächlich nutzen. Kosten: CHF 15–40/Monat.
  • Reise- und Notfallschutz weltweit: Bestes Preis-Leistungs-Verhältnis. Inklusive Rückführung. Kosten: CHF 5–15/Monat.
  • Zahnversicherung für Kinder: Sinnvoll vor allem bei wahrscheinlicher Kieferorthopädie. Erwachsene zahlen oft weniger selbst als die Prämie.

Häufig zu teuer

  • Spital halbprivat / privat: CHF 100–400+/Monat pro Erwachsenen. Sinnvoll bei freier Arztwahl oder Wunsch nach Einzelzimmer — Prämien steigen aber stark mit dem Alter. Alternative: «Allgemeine Abteilung ganze Schweiz» (general flex).
  • Spitaltaggeld: Häufig redundant, wenn der Arbeitgeber bereits eine Krankentaggeldversicherung anbietet.
  • «Rundum-sorglos»-Pakete: Selten die günstigste Lösung. Module einzeln offerieren lassen.

Goldene Regel

VVG niemals kündigen, bevor die schriftliche Aufnahme beim neuen Versicherer vorliegt. Bei Vorerkrankungen lohnt es sich oft, nur die Grundversicherung zu wechseln und das bestehende Zusatzpaket zu behalten.

Wie viel kann man wirklich sparen?

Eine 35-jährige Person in Zürich mit Standardmodell und CHF 300 Franchise zahlt 2026 rund CHF 470/Monat. Mit günstigerem Versicherer + Hausarztmodell + CHF 2'500 Franchise sinkt das auf ca. CHF 290–330/Monat — eine Ersparnis von CHF 1'700–2'200 pro Jahr bei identischen gesetzlichen Leistungen.

Ersparnis nachverfolgen, nicht nur wechseln

Der grösste Fehler: einmal wechseln und vergessen. Die Prämien verändern sich jedes Jahr, und Ihre alte Kasse wird Ihnen nie aktiv einen Rabatt anbieten. Vergleichen Sie jeden September neu, setzen Sie eine Erinnerung auf den 15. November und halten Sie Ihre Kündigungsvorlage bereit. Eine Finanz-App, die alle Konten zusammenführt (z. B. Finch), hilft Ihnen, die neue Lastschrift zu erkennen und die Ersparnis zu prüfen.

FAQ

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